Seide ist eine der kostbarsten und teuersten Textilfasern natürlichen Ursprungs. Gewonnen wird die Seidenfaser, bei der es sich um die einzige vom Menschen genutzte Endlos-Faser in der Natur handelt, aus den Kokons einer bestimmten Raupenart, der Seidenraupe. Ursprünglich wurde die Seide in China entdeckt und produziert. Von dort aus wurde sie über die Seidenstraße bis nach Europa transportiert. Heute wird der Hauptanteil weltweit produzierter Seide immer noch in China gewonnen, aber auch Japan und Indien sind mittlerweile wichtige Erzeugerländer.
Bei den Raupen handelt es sich um die Larven eines Falters, dem Seidenspinner. Die meisten Seidenraupen ernähren sich ausschließlich von den Blättern des Maulbeerbaumes.
Wie die meisten Larven verpuppt sich auch die Seidenraupe in einem Kokon. Der Faden, aus dem die Kokons gesponnen werden, entsteht mit Hilfe besonderer Drüsen im Maul der Raupe. Ein einzelner Kokon besteht dabei aus bis zu 300.000 einzelnen Windungen. Wenn die Larven sich vollständig verpuppt haben, können die Kokons eingesammelt werden. Um die enthaltenen Raupen zu töten, wird meist Wasserdampf verwendet. Der Kokon besteht aus nur einem einzigen Faden, der wenn möglich auch in einem einzigen Stück abgewickelt wird.
Für 250g Seidenfaden werden ca. 3000 einzelne Kokons benötigt. Nach der Ernte sind die Seidenfäden zunächst noch gelblich verfärbt, da sie mit einem natürlichen Leim, dem sogenannten Seidenleim, überzogen sind. Vor der weiteren Verarbeitung müssen sie deswegen in Lauge gekocht werden. Danach hat die Seide ihre bekannte, rein weiße Farbe.
Manchmal durchläuft die Seide auch weitere, chemische Veredelungsprozesse. Diese dienen dazu, den Faden noch dünner, leichter und geschmeidiger zu machen.
Der Seidenstoff wird auf verschiedene Weise aus den dünnen Fäden gewebt. Es gibt z.B. Chiffon- Satin- und Taftseide.
Je nach Verarbeitung und Webverfahren entstehen unterschiedliche Seidenqualitäten. Einige bekannte Beispiele sind die Habotai-Seide, welche vorwiegend in der Seidenmalerei verwendet wird, die Crepe de Chine, die eher für Bekleidungstextilien geeignet ist oder die Dupionseide mit ihrer typischen, unregelmäßigen Struktur.
Zu den unverwechselbaren Eigenschaften der Seide gehört ihre Geschmeidigkeit und Leichtigkeit bei gleichzeitig extremer Festigkeit. Sie wirkt im Sommer kühlend auf der Haut und wärmt, wenn es kalt ist. Farben leuchten auf Seide besonders schön. Die Seidenmalerei ist eine Kunstform mit langer Tradition in Asien.
Nur Abrieb, Wasserflecken und hohe Temperaturen verträgt der feine Stoff nicht so gut. Deswegen sollten Textilien aus Seide immer nur mit der Hand und mit speziellen Waschmitteln gereinigt werden. Seide lässt sich auch bügeln, der Stoff sollte hierbei aber noch feucht sein um die Fasern vor Überhitzung zu schützen.